Termin für 3G-Abschaltung fix: Was jetzt auf Unternehmen zukommt

Veröffentlicht am: 7. Oktober 2020 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie, Trends Keine Kommentare

Jetzt wird es ernst. Nachdem das Thema bereits vor einem Jahr erste Kreise zog, meldete jüngst die Telekom, das 3G-Netz nun definitiv ab dem 30. Juni 2021 abzuschalten. Das Ende für das UMTS-Netz mit einer maximalen Datenrate von 42 MBit/s rückt also immer näher, denn auch die zwei anderen großen Netzbetreiber Vodafone und O2 werden den Datenhahn (fast) zeitgleich abdrehen. Der Blick geht bei allen in die Zukunft, und die heißt 5G. Aber was bedeutet das 3G-Aus?

Rund 20 Jahre lang konnte mit dem Laptop, Tablet und Smartphone im UMTS-Netz gesurft oder dem UMTS-Router eine leitungsunabhängige Internet-Anbindung realisiert werden, jetzt sollen die Frequenzen für 5G genutzt werden. Das macht vor dem Hintergrund einer effizienten Frequenznutzung absolut Sinn, hat aber auch unschöne Nebenwirkungen. So sind aktuell noch in vielen Geräten Mobilfunkchips verbaut, die maximal den UMTS-Standard unterstützen. Die Konsequenz ist bitter, statt einem datentauglichen UMTS-Netz gibt es für sie ab Mitte 2021 nur noch EDGE. In der Praxis heißt das: Internet per Mobilfunk gehört für solche Geräte der Vergangenheit an.

UMTS: Mehr als nur ein Backup

Das hat längst nicht nur Konsequenzen für die Nutzer älterer Smartphones: Auch Unternehmen, die Mobilfunk für den leitungsunabhängigen Internet-Zugang oder als Backup fürs WAN nutzen und dabei noch auf UMTS-Technologie vertrauen, müssen sich mit dem 3G-Aus intensiv beschäftigen. Das gilt umso mehr, je geschäftskritischer die UMTS-Internetanbindung ist.

Eines der plakativsten Beispiele ist der Handel. Während der Samstags-Einkauf heute ohne EC-Kartenzahlung kaum noch denkbar ist, hängen viele Märkte & Discounter bei ihren Backup-Verbindungen noch von UMTS ab. Gravierender noch in ländlichen Gebieten: hier kommt der Mobilfunk sogar teilweise als primäre Technologie für den Internetzugang zum Einsatz – in Ermangelung leistungsfähiger leitungsgebundener Zugänge.

Mobilfunk-Upgrade frühzeitig planen

Hier ist es dringend nötig, genau hinzusehen. Unterstützen die vorhandenen Router wirklich schon 4G? Falls nein, fallen der mobilfunkbasierte Internet-Zugang oder die Notfall-„Leitung“ ersatzlos weg. Das wäre dann – um auf das Beispiel Supermarkt zurückzukommen – das Aus für den elektronischen Zahlungsverkehr und ein Rückschritt in die digitale Steinzeit, den Kunden vermutlich nicht verzeihen.

Ebenfalls kritisch: die Nutzung Mobilfunk-Internet in den Einsatzwagen von Feuerwehr, THW, Polizeien & Co. Auch hier sind eine rechtzeitige Prüfung der genutzten Hardware und ein etwaiges Upgrade auf neuere Mobilfunkstandards daher schon jetzt zu empfehlen – bevor das Worst-Case-Szenario eintritt. Denn auch schon vor der endgültigen Abschaltung wird das Telekom 3G-Netz von 10 MHZ und zwei Trägern auf 5 MHz und einem Träger gedrosselt – entsprechende Leistungseinbußen inklusive.

Freie Frequenzen als Boost für neue Technologien

Doch das 3G-Aus hat auch Vorteile. Das durch die Abschaltung freigewordene Frequenzspektrum soll den neueren Mobilfunkstandards mehr Entfaltungsspielraum geben. Das gilt längst nicht nur für 5G: Auch das LTE-Netz soll von den neuen Frequenzen profitieren und künftig lückenloser zur Verfügung stehen, als dies heute der Fall ist.

Wirklich spannend ist die Netz-Abschaltung aber für 5G. Man verspricht sich einen vergleichbaren Leistungssprung, den Wi-Fi 6 (und bald 6 GHz WLAN) für die lokale, drahtlose Vernetzung bringt. Der neuste Mobilfunkstandard wartet mit Multi-Gigabit-Datenraten und deutlich reduzierten Latenzzeiten auf. Das ermöglicht viele neue Anwendungen in Bereichen wie Connected Driving, Industrial IoT, Smart City oder Smart Farming, die eine gänzlich mobile Vernetzung in Quasi-Echtzeit erfordern; oder aber auch einen Leistungsboost für temporäre Netz-Aufbauten etwa bei Baustellen, oder zukünftig bei Festivals und Großveranstaltungen.

Wachablösung durch 4G & 5G

An einem ändert die 3G-Abschaltung jedoch nichts: Der flächendeckende Ausbau eines leistungsstarken 5G-Netzes wird noch Jahre dauern – trotz der jüngsten Medienankündigung von O2 (Telefónica), als dritter deutscher Mobilfunkanbieter nach der Deutschen Telekom und Vodafone erste Teile des eigenen 5G-Netzes in Betrieb zu nehmen, und der Auflagen für die Betreiber, bis 2022 jeweils 98 Prozent der Haushalte mit 100 Mbit/s zu versorgen. Der aktuelle Stand für den Ausbau zeigt, dass das ein sehr ambitioniertes, fast unrealistisches Ziel ist. Schließlich ist sogar das 4G-Netz deutschlandweit heute noch sehr löchrig.

Es wird also noch ein wenig dauern, bis Unternehmen voll und ganz von 5G profitieren können. Doch gerade im Bereich der Weitverkehrsnetze sehen wir einen immensen Nutzen. Werden hierbei 5G und Software-defined Networking geschickt kombiniert, wird die sichere und agile Vernetzung von Standorten – 5G SD-WAN – und smarten Ressourcen vor allem durch Echtzeit-Fähigkeit und hohe Bandbreiten einen gigantischen Sprung nach vorne machen. Dass wir dies mit einem eigenen „5G-ready“ Portfolio an VPN-Routern und SD-WAN-Gateways unterstützen werden, steht außer Frage. Nach aktueller Planung sollen die ersten LANCOM 5G Router im Frühjahr 2021 auf den Markt kommen.

Wer nicht auf 5G warten kann oder will, für den ist die Migration auf 4G-Router eine wirtschaftlich gute Alternative. Denn es ist nicht zu befürchten, dass 4G dasselbe Schicksal ereilt wie 3G und in absehbarer Zeit abgeschaltet wird. Laut Studien wird LTE dank deutlich besserer Abdeckung und günstigerer Tarife bis mindestens 2025 noch mit deutlichem Abstand die führende Mobilfunktechnologie bleiben – und wahrscheinlich noch weit darüber hinaus eine wichtige Rolle spielen.

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